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Lochkarte

Lochkarte

Zur Vorgeschichte: Zum ersten Mal kam ich mit Lochkarten während meiner Berufsausbildung zwischen 1973 und 1975 in der Firma Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk (SIMSON) Suhl in Berührung. Hier wurden zu diesem Zeitpunkt Lochkarten in recht großem Umfang für die innerbetriebliche Abrechnung genutzt und waren im beruflichen Alltag allgegenwärtig. Sei es als Auftrag zur Materialentnahme im Lager, als Urlabsschein oder als Beleg für geleistete Arbeit - überall waren sie zu finden und wurden anschließend mit recht großem technischen Aufwand weiter verarbeitet. Doch beschäftigen wir uns nachfolgend erst einmal näher mit der in meinem Umfeld üblichen, sogenannten Standardlochkarte:

Diese damals verwendete Lochkarte entsprach dem nebenstehend dargestelltem Beispiel. Sie hatte 80 Spalten, in denen jeweils genau ein Zeichen codiert werden konnte und  beinhaltete maximal einen Datensatz ( = einem innerbetrieblichen  Vorgang).

In der Praxis wurden diese Karten außerhalb der eigentlichen Datenverarbeitungseirichtung immer in Form von sogenannten  "Verbundlochkarten" eingesetzt, d.h. die nebenstehende Karte war nicht mit dem Zahlenfeld bedruckt, sondern trug einen innerbetrieblichen Formularaufdruck (z.B. Materialentnahmeschein, Urlaubsschein). Handschriftlich wurden dann die benötigten Angaben (z.B.  Materialnummer, Menge, Qualität usw.) eingetragen und vom Verantwortlichen abgezeichnet. Dieser Beleg diente z.B. im Materiallager als Empfangsquittung und wurde später maschinell bearbeitet. Hierbei wurde die Karte in einen Lochkartenstanzer eingelegt und die visuell lesbaren Daten über eine Tastatur "abgeschrieben". Statt der Buchstaben und Zahlen wurden dabei die entsprechenden Löcher gestanzt und die Karte somit für eine weitere - maschinelle - Verarbeitung vorbereitet. Die nun maschinell lesbaren Daten(träger) konnten danach beliebig sortiert, tabelliert, summiert oder anderweitig weiter verarbeitet werden und waren die Grundlage für die betriebliche Abrechnung.
In der Praxis funktionierte dieses System jedoch nicht immer reibungslos (Ölflecke und andere Verschmutzungen), so dass recht oft maschnell nicht lesbare Karten über eine Lochkartendoppler auf saubere Datenträger übertragen (gedoppelt) werden mußten ...

Eine andere Form der Nutzung von Lochkarten war der Einsatz in der Programmierung von Großrechnern, wobei nicht die zu verarbeitenden Daten, sondern  die abzuarbeitenden Programme darauf niedergelegt wurden.
Bei der oben gezeigten Lochkarte handelt es sich um solch eine für einen Großrechner (ESER) erstellte "Job-Kontrollkarte", bei der die Befehlsfolge beim Lochen am oberen Rand zusätzlich visuell lesbar aufgedruckt wurde. Sie beinhaltet genau eine Zeile eines abzuarbeitenden Programmes. Alle abzuarbeitenden Programmzeilen (= je eine Karte) bildeten dabei einen Kartenstapel (engl. Batch) Das komplette Programm wurde "Job" genannt. Aus dieser Zeit leitet sich auch der Begriff Batchdatei (= Stapelverarbeitungsdatei) und die Dateierweiterung ".bat" ab, der die zeilenweise Verarbeitung einer Datei vorschreibt. Anschaulichstes Beispiel ist die unter DOS und anfänglich auch unter Windows fast unverzichtbare Datei "autoexec.bat", die ja im eigentlichen Sinn als Programm zur Vorgabe von Rechnereinstellungen dient. Doch auch heute sind z.B. für Systemadmins Batchdateien noch unverzichtbar ...

Die Codierung der in der betrieblichen Praxis zu speichernden alphanumerischer Daten gestaltete sich recht einfach und konnte in der Regel schon mit dem nachfolgend dargestelltem Codeschüssel realisiert werden:




Wer sich allerdings schon einmal mit der Progammierung in den damals üblichen Programmiersprachen (z.B. Assembler) beschäftigt hat, wäre allerdings mit den oben gezeigten Darstellungsmöglichkeiten nicht ausgekommen. Für solch komplexe Darstellungen ist dann doch der gesammte Umfang des seit 1964 standardisierten EBCDIC-Codes notwendig, bei dem bis zu 6 Lochungen pro Spalte zugelassen waren.


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